Die hessische Landesregierung plant die vollständige Streichung des Schulfachs „Digitale Welt“. Wie aktuelle Berichte zeigen, sollen den Schulen künftig keine Lehrerstellen mehr für das Fach zugewiesen werden – das bedeutet dessen faktisches Aus. Betroffen sind auch fünf Schulen im Landkreis Fulda: die Mittelpunktschule Hohe Rhön in Hilders, die Wigbertschule in Hünfeld, die Heinrich-von-Bibra-Schule in Fulda, die Don-Bosco-Schule in Künzell, die Biebertalschule in Hofbieber sowie die Lichtbergschule in Eiterfeld. Für das Unterrichtsfach „Digitale Welt“ werden die Mittel um vier Millionen Euro gestrichen – die Förderung entfällt damit vollständig. Trotzdem erwartet die Landesregierung, dass die weiterführenden Schulen die Inhalte des Fachs im Rahmen des Ganztagsangebots umsetzen.
„Mittel kürzen und gleichzeitig die Umsetzung einfordern – das ist ein Widerspruch in sich“, kritisiert Daniel May, bildungspolitischer Sprecher der GRÜNEN Landtagsfraktion. „Gerade in einer Zeit, in der Themen wie digitale Gewalt, Desinformation und KI-Deep-Fakes bundesweit diskutiert werden, ist diese Entscheidung völlig unverständlich.“ Das Fach „Digitale Welt“ wurde erst vor wenigen Jahren als innovativer Schulversuch an rund 80 Schulen erprobt und von Lehrkräften sowie Schüler:innen positiv bewertet. Im schwarz-roten Koalitionsvertrag wurde vereinbart, das Fach flächendeckend auszurollen. Die jetzige Kürzung kommt überraschend und ist ein klarer Bruch dieser Zusage.
„Noch im vergangenen Jahr wurde angekündigt, parallel zu einem möglichen Handyverbot an Schulen die Medienbildung auszubauen. Diese Zusage ist jetzt nichts mehr wert. Die Folge: Schüler:innen, Eltern und Lehrkräfte werden mit den Herausforderungen der digitalen Welt allein gelassen“, so May, der seit dieser Legislatur Grüner Ansprechpartner für den Landkreis Fulda ist. Er betont: „Wir brauchen dringend einen flächendeckenden Medienbildungsunterricht an allen weiterführenden Schulen – auch und gerade im ländlichen Raum. Medienkompetenz ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Wer junge Menschen nicht auf die digitale Realität vorbereitet, handelt fahrlässig.“
Die grüne Landtagsfraktion hatte bereits in den Haushaltsberatungen 2025 und 2026 entsprechende Änderungsanträge eingebracht, um das Fach „Digitale Welt“ landesweit einzuführen. „An dieser Forderung halten wir fest. Wer ernsthaft will, dass junge Menschen sicher und kompetent mit digitalen Medien umgehen, darf hier nicht kürzen, sondern muss investieren.“
Neben der Streichung des Fachs „Digitale Welt“ plant die Landesregierung aus CDU und SPD weitere Einsparungen in Höhe von sechs Millionen Euro im Schulbereich. Noch ist unklar, wo genau die Kürzungen ansetzen werden. Dies verstärkt die Verunsicherung an den Schulen, die bereits unter Kürzungen beim Sozialindex und an Gesamtschulen leiden.
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