Nicht alle, die Fulda tragen, stehen auch im Rampenlicht

Frauen engagieren sich in Fulda von je her auf vielfältige Weise. Sie organisieren, vernetzen, übernehmen Verantwortung in Ehrenämtern, Vereinen, sozialen Einrichtungen, Unternehmen und natürlich auch in der Kommunalpolitik. Sie tragen wesentlich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Stadt bei.

Spiegelt sich dieses Engagement in den Ehrungen und Auszeichnungen unserer Stadt wider? Der Ausgangspunkt unserer Anfrage in der letzten Stadtverordnetenversammlung vor der Sommerpause war die deutliche Unterrepräsentanz von Frauen. Dabei ging es uns genauso um die Sichtbarkeit von Frauen in der Stadtgeschichte wie in der heutigen Stadtgesellschaft. Die Fuldaer Zeitung griff das Thema im Mai auf. 

Die Antwort von Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld auf unsere Anfrage zeigt ein deutliches Bild: In vergangenen zehn Jahren wurden 205 städtische Ehrenmedaillen an Männer verliehen – aber nur 47 an Frauen. Der Kulturpreis der Stadt ging im gleichen Zeitraum ausschließlich an Männer.  Und auch bei weiteren Ehrungen sieht es kaum anders aus. 

Diese Zahlen werfen Fragen auf: Wer wird eigentlich für Ehrungen vorgeschlagen? Welche Biografien wollen wir erzählen? Und wessen Engagement wird zu oft übersehen? Fraktionsvorsitzende Marie-Louise Puls erklärt dazu: „Mich interessiert weniger, wer im Rampenlicht steht. Mich interessiert, wer unsere Stadt trägt. Frauen halten unsere Stadt an vielen Stellen zusammen. Aber dieses Engagement spiegelt sich nicht in der öffentlichen Anerkennung wider.“

In seiner Antwort verweist der Oberbürgermeister unter anderem auf Straßenbenennungen und darauf, dass eine angemessene Würdigung von Frauen angestrebt wird. Wir finden: Schön, aber nicht genug, um dem bestehenden Ungleichgewicht zu begegnen. Sichtbarkeit entsteht nicht zufällig – sie ist das Ergebnis bewusster Entscheidungen von Gremien, die Personen für Ehrungen vorschlagen – oder eben nicht. Allzu oft werden nur Männer als prägend für unsere Stadt wahrgenommen. Wir finden: Das sollte sich ändern.

Wir verstehen Sichtbarkeit nicht als Selbstzweck, sondern als Ausdruck von Wertschätzung. 

Deshalb verstehen wir die Antwort auf unsere Anfrage nicht als Abschluss, sondern als Auftakt. Wir werden die Frage nach der Sichtbarkeit von Frauen in Fulda weiter thematisieren – weil wir die Fuldaer Geschichte um die weiblichen Perspektiven bereichern wollen. 

Die Antworten auf unsere Anfragen und die aller anderen Fraktionen findet ihr hier:

https://www.fulda.de/d67/10_Hauptamt/pdf_anfragen_antraege/2026/2026_06_24/schriftlich_beantwortete_Anfragen_SV_24.06.2026.pdf

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