Der Frauenstreik heute, den 09.März 2026, auf dem Uniplatz in Fulda hat vor allem eines deutlich gemacht: An vielen entscheidenden Stellen fehlt noch immer die Perspektive von Frauen. Ob in Wirtschaft, Politik oder Verwaltung – Macht und Verantwortung sind nach wie vor ungleich verteilt. Ein oft zitierter Vergleich bringt das auf den Punkt: In den Chefetagen deutscher DAX-Unternehmen gibt es mehr Männer mit dem Namen Thomas als Frauen insgesamt. Und auch in vielen Parlamenten – gerade auf kommunaler Ebene – sind Frauen weiterhin unterrepräsentiert.
Das ist kein Zufall. Politisches Engagement muss in den Alltag passen. Wer Familie organisiert, Care-Arbeit übernimmt und gleichzeitig arbeitet, hat deutlich weniger Spielraum für ein politisches Ehrenamt. Gerade für Alleinerziehende ist es eine enorme Herausforderung, zusätzlich politische Verantwortung zu übernehmen. Wenn wir wollen, dass Parlamente die Wirklichkeit unserer Gesellschaft abbilden, müssen die Rahmenbedingungen stimmen: verlässliche Kinderbetreuung, familienfreundliche Arbeitsmodelle und Väter*, die selbstverständlich Verantwortung übernehmen.
Hinzu kommt, dass Sichtbarkeit für Frauen* noch immer keine Selbstverständlichkeit ist. Während Männer in politischen Debatten häufig als selbstverständlich wahrgenommen werden, werden Frauen* oft strenger beurteilt oder stärker infrage gestellt. Auch deshalb braucht es weiterhin Aufklärungs- und Bildungsarbeit für echte Gleichberechtigung.
Denn eines ist klar: Gleichberechtigung entsteht nicht automatisch. Wir können leider nicht darauf warten, dass die vielen „Thomasse“ in den Chefetagen oder Entscheidungsgremien sie irgendwann von selbst herstellen. Es braucht Frauen* die mitentscheiden – und Strukturen, die ihnen den Zugang zu diesen Räumen ermöglichen.
Parität ist deshalb kein Selbstzweck. Sie ist ein Schritt hin zu einer Demokratie, die die Vielfalt unserer Gesellschaft widerspiegelt. Der Internationale Frauentag und der bundesweite Frauenstreik erinnern uns daran, wie wichtig dieser Weg weiterhin ist. Darum gilt auch mit Blick auf den 15. März: Geht wählen – und stärkt demokratische Kräfte sowie Frauen in der Politik.
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